Kursmodul: Hermeneutik: Die Bibel missional verstehen
Hermeneutik ist das Nachdenken über unser Verstehen. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn wir feststellen müssen, dass unser bisheriges Verständnis – z.B. von einem biblischen Text – gar nicht so selbstverständlich ist, wie wir bisher dachten. Als Kind wuchs ich in einem freikirchlichen Gemeindeverband auf, besuchte dessen Freizeiten und Konferenzen. Das vermittelte mir den Eindruck, als wäre das Meiste eigentlich klar, da alle so zu denken schienen wie ich. Das hat so lange funktioniert, bis ich Christen aus anderen Traditionen persönlich besser kennengelernt und die spanische Mystik entdeckt hatte. Als ich dann noch an der Uni in Zürich Theologie zu studieren begann und nochmals mit einer ganz anderen Theologie konfrontiert wurde, hatte ich den Salat.
Und genau hier setzt die Hermeneutik an. Sie reflektiert mein bisheriges Verständnis, das meines Gegenübers und sucht neue Wege, wieder zu einer befriedigenden Sichtweise zu kommen. Claus von Bormann beschreibt das in der TRE wie folgt: „Hermeneutik ist immer entwickelt und gepflegt worden, wenn eine Tradition, die lebenstragend war, brüchig wurde und nun eine Korrektur oder ein Neuanfang gesucht wurden.“
In einer Zeit, in der der christliche Glaube zu einer (stark angefochtenen) Option unter ganz vielen öffentlich zelebrierten Lebensweisen geworden ist, ist ein Nachdenken über unser Verständnis nicht nur der Bibel, sondern letztlich des ganzen Lebens unabdingbar geworden. Denn Fragen und Zweifel sind schon lange kein Phänomen der Bildungselite mehr. Wir begegnen ihnen in unseren Gemeinden und unserem eigenen Leben. Und das macht dieses Thema so spannend – anspruchsvoll, herausfordernd, aber letztlich verheißungsvoll!
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